Umoza na Malawi

Partnerschaft mit Malawi

Seit Anfang des Jahres ist in unserem Projekt viel geschehen. Ein besonderes Highlight war natürlich wieder unsere Reise nach Malawi:

Am 01. Mai machten sich erneut zwei Mitglieder unseres Teams, Elisabeth Maasjost und Tim Bohnenkamp, auf eigene Kosten auf den Weg nach Malawi.
Es ging los, wieder mit reichlich Gepäck, gespendeten Laptops, ca. 50 Handys aus der Sammelaktion, Fußbällen, Kugelschreibern und gesponsorten Stoffbeuteln und vieles mehr, was noch eben rein passte.
Für Tim Bohnenkamp, 24 Jahre, war es die erste Reise nach Malawi und auch der erste Flug. Für Elisabeth ging es zum vierten Mal dorthin. Ziel dieser Reisen sind immer die Begegnungen und der Austausch mit den Menschen vor Ort und die Verfolgung der Entwicklungen in unserem Projekt.
Dieser persönliche Austausch und das Besuchen verschiedener Orte, sowie das gemeinsame Leben mit den Menschen sind Erfahrungen, sind sehr wichtig für das gegenseitige Verständnis. Vieles können wir erst verstehen, nachdem wir es selbst gesehen, bzw. auch erlebt haben. Dieses Mal hatten wir auch ein besonderes Projekt geplant: Wir wollten auf die Gefahren des Plastikmülls in der Landschaft hinweisen, was erschreckende Ausmaße angenommen hat in Malawi, wie wir bei unserer Reise 2018 festgestellt hatten. Besonders Tim hatte sich mit dieser Thematik beschäftigt.

Und hier folgt der Reisebericht – Neues aus Malawi!

Nachdem wir in Lilongwe angekommen waren, erwartete uns Father Steven Bulambo bereits am Flughafen. Nach einer Übernachtung in Lilongwe ging es am nächsten Tag gleich frühmorgens weiter Richtung Norden. 600 km Fahrtstrecke lagen vor uns, bis wir unser Ziel, Karonga, wo unser Projekt liegt, erreichten.

Wie immer standen etliche Programmpunkte auf unserer Liste. Ein besonderes Anliegen ist es immer, die Schülerinnen und Schüler zu treffen, die wir mit Schulgeld unterstützen. Dieses Mal war es nicht so einfach, da wir außerhalb der Ferienzeit ankamen und die meisten in den Schulen waren. So haben wir versucht, auf unserem Weg Treffpunkte zu vereinbaren, oder die verschiedenen Schulen aufzusuchen
Gleich schon in Lilongwe stieß Moses zu uns, einer unserer Studenten, die wir mit Schulgeld fördern. Er studiert dort Landwirtschaft und Umwelttechnik. Ein idealer Zufall, denn so konnte er uns bei den Workshops zum Thema Plastikmüll unterstützen. Moses und Tim hatten gemeinsam schon vorher eine Präsentation für die Workshops ausgearbeitet (Im Zeitalter der modernen Technik ist das möglich. An einigen Schulen steht Internet zur Verfügung, so dass eine Kommunikation via WhatsApp möglich ist!). Aber dazu später mehr.

Nach ca. 8 Stunden erreichten wir Mzuzu. Wir trafen dort auf die erste Gruppe unserer Schüler-/innen. Wie immer, etwas spät, erreichten wir den vereinbarten Treffpunkt. Diese Gruppe, Lawrent, Caroline, Monica, Agnes unsere angehenden Krankenpfleger-/schwestern und Lehrerinnen sind eine der ersten Gruppen, die wir gefördert haben. Dementsprechend groß war die Wiedersehensfreude auf beiden Seiten. Die Jugendlichen können es in der Regel kaum erwarten, uns zu treffen. Mit großem Hallo und Interesse wurde auch Tim begrüßt. Schnell war das Eis gebrochen und ein reger Austausch fand statt über das Leben und Schulen in Deutschland und in Malawi.

Dieses Mal hatten wir auch noch eine besondere Überraschung im Gepäck. Da die Jugendlichen, die wir fördern, inzwischen eine eigene Gruppe gebildet haben, hatten wir in Malawi T-Shirts mit unserem Projekt Logo drucken lassen. Hinten ist ein Slogan angebracht: Promoting sustainable livelihood and education for the young (Wir unterstützen eine nachhaltige Lebensform und Bildung für die Jugendlichen).
Die Freude war riesig und die Jugendlichen tragen die T-Shirts mit Stolz, zeigt es doch ihre Zugehörigkeit zur Gruppe und zum Projekt. Einige werden ihre Ausbildung in diesem Jahr beenden. Der Projektgruppe werden sie aber weiter angehören und versuchen, auch andere junge Menschen aus ihrem Ort zu motivieren und zu unterstützen. Es ist immer wieder beeindruckend und eine große Freude zu sehen, wie sie sich zu verantwortungsbewussten und engagierten jungen Erwachsenen entwickelt haben.
Nach einem gemeinsamen Mittagessen hieß es leider schon wieder good bye. Nicht ohne wieder Macarena zu tanzen. Der Tanz, den wir beim ersten Besuch mit den Jugendlichen gemeinsam geübt hatten ist inzwischen zu einem Gruppentanz geworden. Kein Treffen findet statt, ohne einmal gemeinsam Macarena getanzt zu haben. Die Zeit ging viel zu schnell vorbei.
Die anderen Schülerinnen und Schüler, neue und alte Bekannte, trafen wir im Verlauf unserer Reise. Dieser persönliche Kontakt zu den Jugendlichen ist etwas ganz Besonderes. Es zeigt ihnen, dass wir persönlich Interesse an ihrem Werdegang nehmen. Die Treffen sind für sie eine Herzensangelegenheit und sie nehmen auch weite Wege dafür in Kauf. Auch die Schulleiterinnen freuen sich, uns persönlich kennen zu lernen. Sie berichten gerne über ihre Schüler-/innen. Überall werden wir herzlich und persönlich begrüßt.
Alle wissen, die Chance auf Bildung ist ein Weg aus der Armut. Und für uns immer wieder Bestätigung: es lohnt sich, jeder Euro, mit dem wir diese Jugendlichen unterstützen ist es wert. Wir hoffen, noch vielen jungen Menschen diese Chance geben zu können. 350 Euro kostet ein Jahr Schulbesuch, das ist 1 Euro am Tag, mit dem man einem jungen Menschen die Chance auf ein besseres Leben geben kann. Eine Investition in die Zukunft.

Wie wichtig unsere Hilfe ist, konnten wir einige Tage später erfahren. Zufällig waren wir Zeugen eines Telefonats. Eine Schwester rief Father Bernard an. Sie berichtete von zwei jungen Mädchen, die seit zwei Wochen von der Schule nach Hause geschickt worden sind, da das Schulgeld nicht gezahlt wurde. Sie fragte ihn, ob er nicht eine Lösung wisse. Examen standen an, und die Schülerinnen konnten sie nicht mitschreiben. Das heißt im Klartext, dass sie das Schuljahr nicht beenden konnten. Die Schülerinnen seien so verzweifelt. 120,00 Euro umgerechnet an Schulgeld fehlte für die beiden. Die Mütter hatten schon einen Teil gezahlt, konnten den Rest aber nicht aufbringen. Spontan sagten wir die Hilfe zu. Noch am gleichen Abend kamen die Mütter mit den Töchtern zum Pfarrhaus, nachdem die Schwester sie informiert hatte. Es war berührend, wie die Mütter und auch die beiden Mädels sich freuten, die Dankbarkeit kannte keine Grenzen.
Am nächsten Tag hatten wir eh einen Besuch bei dieser Schule geplant, so dass F. Bernard anbot, die Mädchen mitzunehmen. Schon früh standen sie, ausgerüstet mit Schulkleidung in Begleitung der Mütter vor dem Pfarrhaus, dankbar und voller Freude.
An der Schule angekommen, sprach es sich herum wie ein Lauffeuer, dass die beiden Klassenkameradinnen wieder da waren. Binnen fünf Minuten stürmten die ganzen Klassenkameradinnen freudig, um sie zu begrüßen. Mit 120,00 Euro konnten wir so viele Menschen glücklich machen. Die Mädchen, deren Freude offensichtlich war, die Mütter voller Dankbarkeit, die Klassenkameraden und auch die Schwester, die so erleichtert war, eine Lösung für die beiden gefunden zu haben. Letztlich auch die Lehrerin, auch für sie ist es schlimm, Schülerinnen wegschicken zu müssen.

Spontan war es uns auch möglich einen unserer Flachbrunnen, die wir 2016 gesponsort hatten, zu besuchen.  Sofort versammelten sich etliche Frauen und Kinder, um uns zu begrüßen. Sie versicherten uns immer wieder, wie hilfreich der Brunnen für sie ist. Er funktioniert einwandfrei und wird ständig gewartet. Natürlich mussten wir selbst gleich ausprobieren. Die Wartung sei teuer, wurde uns gesagt, da der Fachmann sein Monopol ausnütze- kommt uns irgendwie bekannt vor? Sie würden gerne drei bis fünf Personen ausbilden lassen, damit sie unabhängig vom Fachmann eigenständig die Brunnenwartung übernehmen könnten. Wir finden, das ist eine gute Idee.
Anschließend gingen wir zum Gemeindezentrum und fanden dort auch unseren Ochsenkarren vor, den wir 2015 gesponsort hatten. Einer der Ochsen stand gleich daneben, den wir für die Rinderzucht 2017 angeschafft hatten.
Auch einige der Schweine aus der Schweinezucht, die wir Anfang des Jahres angeschafft hatten, waren zu sehen. Alles in einem guten Zustand. Es ist schön zu sehen, dass unser Projekt Früchte trägt, dass die Hilfe auch ankommt. Einen weiteren unserer drei Ochsenkarren haben wir ebenfalls im Parish in Kasantha gesehen, als er zufällig vorbeifuhr mit seiner Ladung. Überall wird uns bestätigt, wie hilfreich das Projekt ist für die Region und das Parish. Viele waren zu Beginn des Projektes sehr skeptisch: „Schon wieder eine Gruppe, die uns motivieren möchte, etwas zu tun und dann verschwindet“. Das aber hat sich nun geändert. Inzwischen wollen viele Mitglied in unserem Projekt werden. Auch Bischof Mtumbuka bestätigt uns, dass unser Projekt zwar klein ist, aber einen großen Einfluss auf die Region hat.

Als uns im vergangenen Jahr die Nachricht erreichte, dass einer unserer gesponsorten Ochsen Plastikmüll gefressen hatte und verendet ist, hat uns das zunächst erstaunt. Die Erklärung kam von allein, als wir 2018 in Malawi waren. Dass Plastikmüll in der Landschaft liegt, und man an etlichen Stellen diese kleinen blauen Plastiktüten findet, das kannte ich schon aus den vergangenen Besuchen 2015 und 2016. Aber als wir 2018 wieder vor Ort waren, sahen wir, dass die Menge erschreckend angestiegen war. Das war der Auslöser: Wir dachten, dagegen müssen wir etwas unternehmen. Viele stellen sich nun die Frage: Plastikmüll in einem der ärmsten Länder der Welt? Haben die dort keine anderen Sorgen?
Tatsächlich ist der Plastikmüllverbrauch in Deutschland um ein Vielfaches höher als in Malawi. Das Problem in Malawi ist aber, dass es keinerlei Müllentsorgung gibt. Die kleinen blauen dünnen Plastiktüten, die es überall und in großen Mengen gibt, werden nach einmaligem Gebrauch einfach in die Landschaft geworfen. Und dort liegen sie dann die nächsten 50 Jahre. Plastiktüten sind billig und der Gebrauch der Plastiktüten und damit die Müllberge in der Landschaft steigen immens an. Es hilft nichts, die Menschen mit Saatgut und Dünger und bei der Tierhaltung zu unterstützen, wenn zeitgleich die Grundlage ihrer Landwirtschaft vernichtet wird.Dieses herumliegende Plastik ist nicht nur gefährlich für die Tiere, die dort grasen: Ziegen, Kühe, Hühner und Vögel, sondern hat auch Auswirkungen auf den Anbau von Mais und Gemüse. Die Chemikalien dringen in den Boden und gelangen in die Nahrung, die Pflanzen wachsen nicht entsprechend, da der Boden verdorben wird. Durch den Wind gelangt ein großer Teil dieser Tüten in den Malawisee. Sehr viele Menschen leben von dem See, es ist ein Süßwassersee. Das Wasser des Malawisees ist wichtig für die Trinkwasserversorgung, die Bewässerung der Felder und viele Menschen leben dort auch vom Fischfang. Der Fischbestand in Ufernähe hat nach Aussagen der Fischer schon stark abgenommen. Die Fische ziehen sich immer weiter vom Ufer zurück, so dass die Fischer weiter hinausfahren müssen.

Wenn dieser Plastikmüll weiter ansteigt, so hat das einen erheblichen Einfluss auf das Leben der Menschen. Was also tun? Zunächst wollen wir die Menschen dafür sensibilisieren, wie gefährlich der Plastikmüll ist, Vielen ist das gar nicht bewusst. Wir haben Infomaterial vorbereitet und in den Workshops, die an drei verschiedenen Orten stattfanden, sollen sich Gruppen bilden, die sich mit Ideen und Engagement für die Vermeidung des Plastikmülls einsetzen und eine Vorbildfunktion übernehmen. Unterstützt werden wir dabei von F. Steven Bulambo und Moses, der uns während dieser Zeit begleitet, und durch sein Studium der Landwirtschaft und Umwelttechnik besonders dafür geeignet ist, seinen Landsleuten auch in ihrer Sprache die Gefahren zu erklären. Er bleibt auch nach unserer Rückkehr mit den Gruppen und uns in Kontakt.

Am Ende der Workshops fand jeweils eine Müllsammelaktion statt. Alle Teilnehmer erhielten ein T-Shirt mit unserem Projektlogo und der Aufschrift: Promoting a plastic free world. Mit diesen T-Shirts zogen wir dann durch die Straßen und gewannen so schon Aufmerksamkeit für unser Vorhaben. Tatsächlich schlossen sich sogar einige andere Menschen an und sammelten mit. Jeder Teilnehmer erhielt außerdem einen unserer mitgebrachten, gesponsorten Stoffbeutel. Beim nächsten Einkauf kann dann dieser anstelle einer neuen Plastiktüte verwendet werden. In unserem Projekt haben die Näherinnen schöne Stofftaschen angefertigt, die dort für einen geringen Preis von den Menschen erworben werden können.

Derzeit gibt es leider nur die Möglichkeit, den Müll zu verbrennen. Es gibt im Norden Malawis noch kein Recyclingsystem – aber was nicht ist, kann ja noch werden. Wir hoffen, damit einen Startschuss gesetzt zu haben. Die Gruppen sind aufgefordert, regelmäßige Müllsammelaktionen stattfinden zu lassen und auch eigene Ideen zu entwickeln. Unter anderem an geeigneten Orten Behälter für den Müll aufzustellen. Ein erster Schritt ist getan – wir hoffen auf viele weitere, so dass den Menschen in Malawi ihre Lebensgrundlage erhalten bleibt.

Und nun bleibt noch Tims Fazit nach seiner Reise:

„Malawi ist ein wunderschönes Land mit sehr freundlichen Menschen. Das Bild, was ich bislang im Kopf hatte, obwohl ich schon viele Berichte gehört hatte, war so ganz anders, als ich dieses Land und die Menschen jetzt erlebt habe. Trotz aller Schwierigkeiten und Armut sind die Menschen dort fröhlich. Die Begegnungen haben mich beeindruckt und Freundschaften sind entstanden. Ich werde auf jeden Fall nochmal dorthin reisen!“

Ein herzliches Dankeschön an alle unsere Freunde und Spender. Ohne diese Unterstützung hätten wir das nicht erreichen können.

„Gott segne euch alle, auch die daheim“ wurde uns mit auf den Weg gegeben!

Fotos: © Umoza na Malawi